Exkursion nach Kronberg und Mammolshain

Am Samstag, den 21.05.2011 unternahmen einige Mitglieder der VNG eine kleine Exkursion in den Vordertaunus, um Naturschutzprojekte anderer Vereine kennenzulernen.
Zuerst trafen wir uns an einer großen Streuobstwiese in Kronberg mit Heiko Fischer vom Obst- und Gartenbauverein Kronberg, der uns Ausschnitte der Vereinsarbeit an drei Beispielen zeigen wollte. Er selbst ist Vorsitzender des Vereins und ist v. a. ein anerkannter Experte rund um den Apfelbaum und den Speierling, dies wird auch durch seine Mitgliedschaft im Förderkreis Speierling ersichtlich. Auf der Wiese zeigte uns Heiko Fischer einige Exemplare des Speierlings in unterschiedlicher Größe, beschrieb ihre Characteristika und machte uns auf Besonderheiten aufmerksam.
Diese Obstbäume können bis zu 300 Jahre alt werden. Der auf der Wiese schönste Baum hat einen Kronendurchmesser von ca. 21m, einen Stammdurchmesser von 1,30 m und liefert bei einer guten Ernte bis zu 1 t Früchte, die bei der Herstellung von Apfelwein beigegeben, zu Mus und süßen Leckereien oder zu Schnaps und Likör verarbeitet werden können. Das äußerst harte Holz des Speierlings wurde früher gern  für die Herstellung besonders belastbarer Geräte und Werkzeuge verwendet.

Heiko Fischer zeigt die Besonderheiten des Speierlings
Imposanter Speierling

Unsere nächste Station, die wir erwanderten, war die vom Obst- und Gartenbauverein betreute Pfarrer Christ Obstwiese.
Dessen Namensgeber lebte 1786 bis 1813 in Kronberg als ev. Pfarrer und wirkte v. a. als Förderer und Kenner des Obstanbaus. So war er dt. Pomologe und gründete unzählige Baumschulen, die er auch teilweise selbst betrieb. Einige der ca. 190 Apfelsorten, die auf der Gemarkung Kronberg gepflanzt wurden, kann man hier erwandern.

Auf dem Pfarrer Christ Rundweg entlang, auf dem wir auch den diesjährigen Vogel des Jahres, den Gartenrotschwanz hören und sehen konnten, gelangten wir zur Erlebnisobstwiese, die im Jahr 1999 zusammen mit dem Naturschutzzentrum Hessen geplant und bis zum Jahr 2002 fertiggestellt wurde. Die Konzeption der Anlage berücksichtigte v. a. allem die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen, um durch Mitmach-Aktionen und sinnliche Berührungspunkte „Natur zum Anfassen“ zu schaffen.
Ein imposantes Insektenhotel und ein veredelter Apfelbaum, dem 20 verschiedene Sorten aufgepfropft wurden, sind nur zwei Beispiele der zahlreichen und vielseitigen Erlebnispunkte auf dieser Streuobstwiese, auf dem sich auch Eidechsen, Ringelnatter und Mauswiesel zuhause fühlen.

Zum Abschluss bot uns Heiko Fischer Kostproben aus den Früchten der Obstbäume dar, leckeren Apfelwein für unsere trockenen Kehlen und Pralinen mit Speierling-Mus gefüllt.

Pfarrer Christ Obstwiese

Unsere anschließende Wanderung führte uns weiter ins Bartbachtal, wo wir die Gemarkung Mammolshain erreichten und von den Herrn Johannes Schiesser und Karl-Friedrich Reimer erwartet wurden. Sie sind Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Edelkastanie, einer Unterabteilung des Obst- und Gartenbauvereins Mammolshain, und haben es zu ihrer Aufgabe gemacht, die Kulturlandschaft und besonders die Edelkastanie in Mammolshain zu schützen und zu fördern.

Herr Schiesser und Herr Reimer führten uns in die Welt der Edelkastanie ein und zeigten uns markante Exemplare, beschrieben ihre Entwicklungsgeschichte und die Besonderheiten des Baumes z. B. seine Blätter und der Aufbau des Querholzes.
Die Edelkastanie, deren Früchte auch Maronen genannt werden, stammt wahrscheinlich aus Vorderasien und wurde von den Römern nach Deutschland gebracht. Im Vordertaunus wurden die über 150 Jahre alt werdenden Bäume in Plantagen als Obstbäume angebaut (Brot der Armen), das Holz wurde bis Ende des 1. Weltkrieges geschlagen und u. a. nach Frankreich verschifft und bis heute noch zum Bau von Möbeln verwendet. Der Umfang eines Baumes wird dabei weniger vom Alter, sondern vom Standort und der Wasserverfügbarkeit bestimmt.
Entlang des Edelkastanien-Erlebnispfades im Bartbachtal kann man an wunderschönen Exemplaren vorbeiwandern, die in der Vergangenheit als Plantage am Hang in Kleinparzellen mit meist nur 3-5 Bäumen angelegt wurden. Für Neupflanzungen werden gerne Jungbäume aus Frankreich oder Italien verwendet, wobei der Verein jedoch anstrebt, eine Mammolshainer Edelkastanie als Sorte zu kreieren.


Zur vorgerückter Mittagszeit nahmen die ermüdeten Wanderer an einem lauschigen und idyllisch gelegenen Platz eine Mahlzeit aus mitgebrachten Speisen ein, labten ihre durstigen Kehlen an Wasser und Säften, ließen die Bilder der Kurzexkursion noch mal Revue passieren und machten sich dann ausgeruht auf dem Weg nach Hause.